Magerwiesen-Pflege

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Ommertalhof
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Re: Magerwiesen-Pflege

Beitrag von Ommertalhof » Fr 21. Dez 2018, 22:15

Hallo Simbienchen , das Mager bezieht sich auf die Nährstoffe im Boden . Auf einer Magerwiese kann kaum eine Pflanze 80-100cm oder sogar mehr wachsen , dafür ist kein Stickstoff vorhanden .
Mit deinen Blumen entnimmst du auf Dauer , wenn du die immer abräumst die Nährstoffe , das dauert aber Jahre , je nach Boden Jahrzehnte .
Ich hab das auch nur geschrieben , damit du nicht denkst man muss jedes Jahr neu einsähen und das üppige Blütenmeer bleibt so . Jedes Jahr werden deine gesähten Pflanzen kleiner und etwas artenärmer , und wenn der Boden richtig nährstoffarm geworden ist , stellen sich die wirklich tollen nachhaltigen Pflanzen , die für Insekten wichtig sind von alleine bsw. durch Einsaat oder Initialpflanzung ein . Das sind dann , Scabiosen , Hieracium , Karthäusernelken , Natterkopf(2 Jährig), Malven
Stacys , Betonica , Linum , Lythrum , Geranium , Esparsette , Luzerne , Rotklee , Königskerzen usw .
Dann ist noch ganz wichtig nur ein mal zu mähen . Früher wurde 2x gemäht um Heu zu machen , heute wollen wir Blüten und Samen , deshalb sollte man nur ein mal im Juli/ August mähen , auch wenn das zwischen Juni und August nicht schön aussieht , um die Pflanzen zur Samenreife zu bringen . Danach können die remontierenden Stauden , also die Nachblühenden noch Blühen und ausreifen .
LG Frank

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Re: Magerwiesen-Pflege

Beitrag von Annika » Sa 22. Dez 2018, 08:53

Ommertalhof hat geschrieben:
Fr 21. Dez 2018, 22:15
Jedes Jahr werden deine gesähten Pflanzen kleiner und etwas artenärmer ,
Das finde ich eine wirklich wichtige Information. Denn genau bei dieser Beobachtung würde sich der "normale" Gärtner oder Naturgartenanfänger fragen, was denn falsch gemacht wurde. Dabei ist das genau der Effekt der erreicht werden soll, wenn man eine Magerwiese haben möchte.

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Re: Magerwiesen-Pflege

Beitrag von Simbienchen » Sa 22. Dez 2018, 16:46

Hallo Frank,

Vielen lieben Dank für deine Info's.. *knuddel*

Ich hatte dich so verstanden, dass die Blumen meiner Wiese nichts mit einer Magerwiese zu tun haben! Deswegen fragte ich nochmal gezielt nach, denn auf den Fotos meiner Wiese ist ja gar nicht das gesamte Spektrum an Pflanzen sichtbar.
Ein Großteil deiner Aufzählung an Pflanzen sind auch schon in meiner Wiese zu finden.

Dass eine Initialwiese anders aussieht wie eine " alte" Magerwiese ist ja ganz klar, aber mir hat man gesagt, dass es wichtig ist zum Anlegen einer Magerwiese auch die Einjährigen einzusäen, damit die als Platzhalter dienen und die unerwünschten Beikräuter einer Fettwiese nicht mehr die Überhand nehmen können.

Was ich zu dem Zeitpunkt, als ich die Wiese anlegte noch nicht wusste war, wie mähe ich und in welchen Abständen. Ich wusste z. B. früher gar nicht, was ein Rasenmäher anrichtet. Zur Pflege meiner Wiese musste ich mir neue Geräte anschaffen, Sicheln und Sensen und den Umgang damit erlernen. Ein Balkenmäher steht noch auf meiner Wunschliste. Da die große Fläche aber auch nicht auf einen Schlag gesenst werden sollte, habe ich meine Wiese stückchenweise gesenst, damit die Insekten Zeit hatten, sich zurück zu ziehen.

Mir war zum Zeitpunkt des Anlegens der Wiese wichtig, dass ich viel Vielfalt ...also so viele Blumen wie möglich aussäe, um die Trachtlücken zu schließen. Was sich auf Dauer hier auf dem Boden dann erhält, wird sich zeigen....

Der Weg ist das Ziel und ich kann natürlich leider in dieser kurzen Zeit von einem Jahr , keine "alte" Magerwiese zaubern und vielleicht auch daraus in meinem Leben keine " echte" schaffen, aber ich versuche ja mit den naturgemäßen Begebenheiten die Möglichkeit zu schaffen. Der Natur etwas zurückzugeben. Für mich kam es z.B nicht in Frage , die Wiese mit zusätzlichen Sandauffüllungen oder Schotter abzumagern, da hier in unserem Lehmboden ganz viele Wildbienen nisten und ich deren Lebensraum nicht verändern wollte. Es sollte ja keine HotSpotZone sein, sondern eine sich entwickelnde Wildblumenwiese.

Also impfe ich die Wiese und halte den Nährstoffzufuhr so gering wie möglich, damit sich Vielfalt entwickeln kann. Das Schnittgut wird in die Ertragszone gebracht und kann dort z. B. zu Mulchwürsten verarbeitet werden.

Dass sich irgendwann die nährstoffarmen Pflanzen durchsetzen und kleiner werden, ist ja gewünscht , aber artenärmer dürfte die Magerwiese eigentlich nicht werden....im Gegenteil! Ich hatte gelesen, dass eine Magerwiese eine Vielfalt von 1400 verschiedenen Arten beherbergen kann, im Gegensatz zu einer Fettwiese.

Verwirrend finde ich immer noch die unterschiedlichen Angaben zur Mahd. Mir wurde gesagt, dass die Wiese vor dem Winter auf jeden Fall komplett abgeräumt werden soll, damit über den Winter keine Nährstoffe in den Boden gelangen. Eine junge Wiese sollte zweimal im Jahr gemäht werden, zur Zeit wenn die Margeriten blühen und im Herbst.

Spannend fand ich die Informationen, wann welche Schmetterlinge Eier wo ablegen und wann die Raupen sich entwickeln. Damit man seine Mahd darauf abstimmen kann. Ebenso die Tiefe des Schnittes, weil viele Eier auf die unteren Blätter abgelegt werden.

Für mich gibt es da noch vieles zu lernen und zu bedenken bei der Pflege einer Wiese, wobei es sich nicht nur auf die Magerkeit des Bodens bezieht...

Es wäre schön, wenn es noch mehr Informationen dazu geben würde, nach welchen Kriterien jeder von euch seine Wiese pflegt und wie....
Liebe Grüße aus dem Hortus roboris animi et pax *wink*

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Re: Magerwiesen-Pflege

Beitrag von maleficum » So 23. Dez 2018, 16:30

mein Rundstück war heuer im zweiten Jahr, habe im Herbst angefangen, verblühtes abzuschneiden, mal hier ein bisschen, dort ein bisschen, jetzt steht da nichts mehr, schaue auf Jahr 3, was kommt.
Ich wollte nicht das ganze Rondell mit wilder möhre vollhaben ;)
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Re: Magerwiesen-Pflege

Beitrag von Ommertalhof » Mo 24. Dez 2018, 14:58

Hallo zusammen , unseren Obsthof , den wir bis vor ca. 8 Jahren noch regelmässig von unseren Schafen beweiden liessen , mähen wir seitdem nur noch einmal im Jahr , nämlich im Juli/August . Die Wiesenart ist eine Fettwiese , die aber ähnlich wie eine Magerwiese im Anfangsstadium funktioniert . Es gibt kaum eine Staude die bis Ende Mai , Anfang Juni ihre Samen ausgereift hat , dann gemäht wird , dann wieder blühen und Samen machen soll ,um dann im August /September wieder gemäht zu werden . Diese zweimalige Wiesenmaht kommt aus Zeiten wo es um´s Heumachen ging . Gras wächst natürlich viel schneller als Stauden , die auch noch blühen sollen . Diese zweimalige Mahd praktizieren die Strassenmeistereien ,mit dem Ergebnis , dass wir nur noch blütenlose Randstreifen haben .
Deshalb nur noch eine Sommermahd , und wem es im Herbst zu unordentlich ist , kann dann im Winter nochmal mähen .
Besser ist es aber die Pflanzen absterben zu lassen und im Frühling abzunehmen , dann entstehen nämlich durch die lagernde Biomasse Kahlstellen ,in denen Samen keimen können .
Unser Obsthof ist im Frühling mit ca. 5000 Narzissen bewachsen , die können zwar ökologisch nix , sehen aber toll aus . Ansonsten stehen dort , teilweise initialgepflanzt , etwa 150 Sorten heimische Stauden und sonstige Wildstauden und Zweijährige .
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Schöne Weihnachten wünschen Euch Nici & Frank

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Re: Magerwiesen-Pflege

Beitrag von Simbienchen » Mi 26. Dez 2018, 10:21

Ich finde die Mahd zur Margeriten- Blütezeit im Mai/ Juni auch viel zu früh! Da hatten auch bei mir die Blumen dieses Jahr noch keine Samenstände ausgebildet. Ich frage mich sowieso, ob es Sinn macht 2 x im Jahr zu mähen oder ob eine streifenweise, zeitversetzte Mahd im Herbst nicht ausreichend ist. Dann kann man das Mähgut noch im Spätherbst trocknen, die Samenstände ausklopfen, so dass man auch das Samengut der Einjährigen wieder zuführen kann...

Wenn die Wiese im Herbst gemäht und abgeräumt wird, haben auch Wühlmäuse weniger Chancen. Die Wiese ist dann offen und Raubvögel sehen die Nager besser. Im Frühjahr bieten kahle Stellen den Schmetterlingen nach dem Regen eine Möglichkeit, Mineralien aus dem offenen Boden aufzunehmen. Manchmal kann man sie dann in Gruppen dabei beobachten. Ich hatte dieses Jahr das Glück, die Kohlweißlinge haufenweise in meiner Wiese beobachten zu können.

Auch die Wildbienen suchen nach solchen offenen Stellen in der Wiese/ Boden um zu nisten. Hummeln suchen den Boden nach Wühlmausgängen ab.
Liebe Grüße aus dem Hortus roboris animi et pax *wink*

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