Brennesseln als Raupenfutterpflanze

Schmetterlinge und ihre Futterpflanzen *schmetterling*

Moderator: Lisa Sting

CHX
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Brennesseln als Raupenfutterpflanze

Beitrag von CHX » Sa 24. Jun 2017, 16:35

Die Große Brennessel (Urtica dioica) ist für vier Tagfalterarten die Hauptfutterpflanze: Tagpfauenauge, Kleiner Fuchs, Admiral und Landkärtchen. Der C-Falter und der Distelfalter nutzen Brennesseln als Nebenfutterpflanze.
Bei geeigneten Raupenfutterpflanzen sind der Standort, das Mikroklima, die Menge und die Qualität der Pflanzen entscheidend dafür, ob und welche Schmetterlingsarten ihre Eier auf ihnen ablegen.
Grundsätzlich bevorzugen die Falter Neuaustriebe der Großen Brennessel, weil hier der Proteingehalt wesentlich höher ist als bei den Alttrieben.

Tagpfauenaugen und Landkärtchen mögen Brennesseln, die halbschattig, windgeschützt und luftfeucht stehen, bspw. im Randbereich von Gehölzen oder an Gewässerrändern. Das Landkärtchen bevorzugt kleinere Brennesselbestände, Tagpfauenaugen mögen hingegen Brennesseln in größeren Beständen von mehreren Quadratmetern.
Der Admiral bevorzugt Brennesseln an sonnigen und windgeschützten Standorten, die möglichst nur in kleineren Beständen und frei von umgebender Vegetation wachsen sollten. Der Kleine Fuchs mag dagegen größere Brennesselbestände an vollsonnigen Standorten.
Die Raupen des C-Falters trifft man in Gärten eher an halbschattig stehenden Stachelbeeren (Ribes uva-crispa) oder Roten Johannisbeeren (Ribes rubrum) in luftfeuchter Umgebung an. Der Distelfalter bevorzugt Acker-Kratzdisteln (Cirsium arvense) mit lückigem Bewuchs in sonniger Lage als Eiablageplatz.

Für den Admiral (Wanderfalter), den Distelfalter (Wanderfalter) und den Kleinen Fuchs sollte eine erste Mahd geeigneter Brennesseln bereits Ende Mai/Anfang Juni erfolgen, damit Neuaustriebe für die Raupen der 1. Generation beim Admiral und Distelfalter und der 2. Generation beim Kleinen Fuchs vorhanden sind.
Für das Tagpfauenauge, das Landkärtchen und den Admiral erfolgt eine weitere Mahd Ende Juli/Anfang August, damit Neuaustriebe für die Raupen der jeweiligen 2. Generation bestehen.

Das Schnittgut der Brennesseln kann gut zum Mulchen von Beerenobststräuchern und anderen Gehölzen verwendet werden. Ein Jahresendschnitt sollte erst im Oktober erfolgen, damit nicht versehentlich Eiablagen übersehen und vernichtet werden. Da Brennesseln stickstoffreiche Standorte bevorzugen, kann man bei vorhandenem Stickstoffmangel im Frühjahr mit Hornspänen nachhelfen.

Brennesseln breiten sich sehr stark mit ihren Rhizomen aus - falls dies nicht erwünscht sein sollte, gräbt man bodenlose Plastikeimer und -container ein und pflanzt die Brennesseln dort hinein, um sie damit (möglichst) im Zaum zu halten. Der regelmäßige Schnitt der Brennesseln verhindert gleichzeitig eine Ausbreitung über die Samen.

Ob sich der Aufwand mit größeren Brennesselbeständen speziell in kleineren Gärten wirklich lohnt, sei dahingestellt. Brennesseln haben als erfolgreicher Kosmopolit keinen Seltenheitswert und werden durch unsere übermäßigen Stickstoffeinträge in die Böden in ihrer Ausbreitung begünstigt - nicht umsonst kommen Tagpfauenauge, Kleiner Fuchs, Admiral und Distelfalter immer noch vergleichsweise häufig vor bzw. nehmen sogar in ihren Beständen zu.

Der C-Falter und das Landkärtchen stellen spezifischere Ansprüche an ihre Lebensräume und sind durch den allgemeinen Diversitätsverlust der Landschaft seltener zu beobachten. Beide Falter bevorzugen feuchte Saumbiotope, dicht mit Hecken oder Gebüsch bewachsene Standorte sowie lichte Waldränder und Auwälder.

Weiterer Lesestoff: Brennnesseln im Garten
Zuletzt geändert von CHX am Sa 23. Jun 2018, 23:16, insgesamt 26-mal geändert.
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Re: Brennesseln als Raupenfutterpflanze

Beitrag von Annika » Sa 24. Jun 2017, 18:27

Vielen Dank für diesen Beitrag! So tiefgehendes Wissen hab ich noch lange nicht. Wusste zwar das Brennnesseln Raupenfutter sind, aber das es da mehr Liebhaber als das Tagpfauenauge gibt wusste ich nicht. Geschweige denn, dass der Standort der Pflanze Einfluss auf die Tierart hat.
Das war wirklich interessant für mich! *applaus*

Ich beteilige mich mangels Fachkompetenz, einfach mal mit ein paar Bildern.... ;)
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Re: Brennesseln als Raupenfutterpflanze

Beitrag von maleficum » Sa 24. Jun 2017, 19:12

Der "Pflanzring" ist unnötig, jede ist bisher eingegangen :lol:
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Re: Brennesseln als Raupenfutterpflanze

Beitrag von CHX » Sa 24. Jun 2017, 19:27

maleficum hat geschrieben:Der "Pflanzring" ist unnötig, jede ist bisher eingegangen :lol:
Wegen der Pflanzringe oder wachsen sie generell nicht bei dir? Für Brennesseln ist das ja eher ungewöhnlich :mrgreen:
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Re: Brennesseln als Raupenfutterpflanze

Beitrag von CHX » Sa 24. Jun 2017, 19:32

Annika hat geschrieben:Vielen Dank für diesen Beitrag!
Der Dank gebührt Frau Evers - die Tipps stammen aus ihrem Buch "Schmetterlinge im Garten: ansiedeln, beobachten, bestimmen" (Ulmer, ISBN 3-8001-6663-1). Und noch ein paar andere Quellen - ich habe lediglich etwas zusammengefasst ;)
Zuletzt geändert von CHX am So 25. Jun 2017, 18:04, insgesamt 2-mal geändert.
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Re: Brennesseln als Raupenfutterpflanze

Beitrag von maleficum » Sa 24. Jun 2017, 19:52

das machste aber trotzdem fein
*biene*
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Re: Brennesseln als Raupenfutterpflanze

Beitrag von 7auberwuerfel » Sa 24. Jun 2017, 21:38

Und dann wünschte ich mir Hinweisschilder im Garten verteilt bei meinen Brennesseln. Mit Foto vom Falter, Raupen, Blatttüten... drauf.

"Ich bin eine Brennessel an einem vollsonnigen und windgeschützten Standort in einem kleineren Bestand und frei von umgebender Vegetation. Der Admiral möchte, dass ich Ende Mai/Anfang Juni gemäht werde und Ende Juli/Anfang August."

Und das entsprechend für jeden Faltertyp, dann muss ich nicht immer nachschlagen oder mir den Kopf zerbrechen. Wenn ich durch den Garten schlendere, würde ich immer meine Schilder lesen, und wüsste, wann ich schnippele oder wann ich nach Raupen Ausschau halte.

Gekoppelt mit meinen Erfahrungswerten, wo ich schon mal entsprechende Raupen gesehen habe.

Für solche Schilder würde ich gerne Geld ausgeben, wenn die gut gemacht und haltbar sind.
Sonnige Grüße aus Friedland
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Re: Brennesseln als Raupenfutterpflanze

Beitrag von Lucina » Sa 8. Jul 2017, 20:37

So, beim zweiten Mal lesen bekomme ich auch ein bißchen Sortierung rein, lasse ein Kriterium (Größe der Anpflanzung) weg und es wird schnell klar:

Vollsonnige Brennesseln: Schnitt Ende Mai/Anfang Juni (Admiral, Distelfalter, Kleiner Fuchs)
Halbschattige Brennesseln: Schnitt Ende Juli/Anfang August (Tagpfauenauge, Landkärtchen)

Das kann sogar ich mir in meinem krausen Köpfchen merken. ;)

Super vielen Dank für die Info. Ich habs dann für dieses Jahr schon mal falsch gemacht und die halbschattigen Brennesseln (andere hab ich auch gar nicht) Ende Mai geschnitten.

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Re: Brennesseln als Raupenfutterpflanze

Beitrag von Meikl » Fr 25. Mai 2018, 14:23

Das mit den Standort wußte ich auch nicht danke. Meine müsste ertmal wachsen. Wenn sie es soll will sie nicht.
Liebe Grüße Meikl
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Re: Brennesseln als Raupenfutterpflanze

Beitrag von Axel » Sa 26. Mai 2018, 07:49

Danke für den Beitrag CHX!
Da bei mir reichlich Brennesseln an verschiedenen Standorten wachsen werde ich mit dem teilweise Mähen jetzt so vorgehen.
Habe sonst immer ehr Planlos gesenst.Wohl nach Raupen abgesucht aber schnell kann man mal welche übersehen.

Das anhängende Bild habe ich am 29.April gemacht.Wer sich in das Blatt eingerollt hat weis ich allerdings nicht.
Bild

Bis jetzt habe ich dieses Jahr sehr wenige Schmetterlinge im Hortus gesehen.Hoffe das ändert sich noch!
Auf Veränderung zu hoffen,ohne selbst etwas dafür zu tun,ist wie am Bahnhof zu stehen und auf ein Schiff zu warten!

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