Wilder Wein (Parthenocissus quinquefolia) am Zaun

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Re: Wilder Wein (Parthenocissus quinquefolia) am Zaun

Beitrag von Polarwelt » Fr 5. Okt 2018, 20:59

Darf ich nochmal auf den wilden Wein kommen. Wie stabil muss der Zaun sein?

Gruss Robert
Wer Pyramiden nachmacht oder verfälscht oder nachgemachte oder verfälschte sich verschafft und in Verkehr bringt, wird mit Horteln nicht unter zwei Jahren bestraft.

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Re: Wilder Wein (Parthenocissus quinquefolia) am Zaun

Beitrag von maleficum » Sa 6. Okt 2018, 00:52

Ich zitiere mal die Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft Gartenakademie
Welche wesentlichen Unterschiede gibt es bei Kletterpflanzen? Unterschiedliches Rankverhalten der Kletterpflanzen Die Pflanzen werden eingeteilt nach ihrem Kletterverhalten und nach ihrer Dauerhaftigkeit:
- Schling- oder Windepflanzen
- Rankpflanzen
- Wurzelkletterer
- Spreizklimmer

Schlingpflanzen Sie umwinden mit dem gesamten Spross oder mit einzelnen Trieben die Stütze. Es gibt linkswindende und rechtswindende Pflanzen. Die typischen Vertreter dieser Gruppe sind der Baumwürger, der Schlingknöterich, der Blauregen und das Geißblatt.

Rankpflanzen
Sprossranker klettern mit Hilfe von kleinen Organen. Einige haben am Ende kleine Haftscheiben (Wilder Wein), die mit einem Kontaktsekret eine Verbindung herstellen können. Blattranker winden mit Blattstielen (Clematis) oder das gesamte Blatt hat sich in eine Ranke umgeformt (Echter Wein).

Wurzelkletterer
Entlang der jungen Triebe bilden sich kleine unverzweigte Haftwurzeln (Efeu, Kletterhortensie und Campsis). Negativer Phototropismus (die Wurzel sucht lichtabgewandte Bereiche auf) und etwas Feuchtigkeit ist Voraussetzung für ein gutes Haftwurzelwachstum.

Spreizklimmer
Mit Dornen oder Stacheln haften Spreizklimmer an einem möglichen Halt. Sie müssen an Rankhilfen regelmäßig befestigt werden. Beispiele dieser Gruppe sind die Kletterrosen, der Winterjasmin und die Brombeere. Die unterschiedlichen Kletterer werden außerdem nach ihrer Dauerhaftigkeit eingeteilt:
o Einjährige
o nicht winterharte Pflanzen
o ausdauernde Pflanzen
o verholzende Pflanzen

Es gibt etwa 30 geeignete verholzende Pflanzen.

Kletterhilfen aus Holz sind, wenn es sich nicht um Hartholz handelt, nicht so langlebig. Sind bei Weichholzarten imprägnierende Anstriche vorgesehen, so sollte die Imprägnierung pflanzenverträglich sein. Waagerecht angebrachte Rechteckprofilhölzer werden von der Witterung leichter angegriffen als Hölzer mit schrägem Verlauf oder abgerundeten oder abgeschrägtem Profil.

Das Holz sollte mit der Gebäudeoberfläche nicht in direkte Verbindung treten. Abstandsröhren aus Kunststoff oder Metall werden empfohlen. Rankhilfen und Pergolen, die einen häufigen Farbanstrich bedürfen, wirken sich störend auf die Pflanzenentwicklung aus.

Bei Lamellenwänden sollten aber nur Pflanzen mit geringem Dickenwachstum genommen werden wie Clematis oder Lonicera.
Weitmaschige Zäune sollten mit Spreizklimmern berankt werden. Pergolen und Bretterzäune benötigen zusätzliche Rankhilfen. Vorsicht ist immer bei der Verwendung von Knöterich (Fallopia aubertii) angebracht. Labile Konstruktionen werden in relativ kurzer Zeit zerlegt.
Selbstklimmer Efeu haftet nicht so gut an glatten Oberflächen. Die Oberfläche sollte aufgerauht sein. Poröse beschädigte Putze sind ungeeignet. An glatten Oberflächen können die Haftscheiben des Wilden Wein Halt finden. Dies gelingt sogar an lackierten Blechbudenoberflächen. Efeu wie auch der Wilde Wein suchen, da sie dem Licht ausweichen, mit ihren Haftorganen schattierte Bereiche auf.
Auch Selbstklimmer benötigen am Anfang Hilfe. Die Triebe können mit stark haftendem Klebeband oder mit Haken an der Wand befestigt werden.
Schlingpflanzen
Schlingpflanzen sollten je nach Wuchskraft 5 bis 15 cm Wandabstand ihrer Rankkonstruktion einhalten. Die Wisterie neigt bei Seilen mit zu geringem Querschnitt zur Selbststrangulation. Waagerechter Verlauf von Rankseilen wird im Allgemeinen schlechter angenommen als senkrechter oder schräger Verlauf.
Rankende Kletterpflanzen
Die Profile sollten nicht dicker als 3 cm sein. Blattstielranker und Sprossranker können diese nicht mehr umfassen. Als Abstand zwischen den Befestigungsstäben empfiehlt sich bei den meisten Pflanzen 15 x 15 cm. Wein (Vitis) kann auch einen größeren Abstand vertragen. Ein Rautenmuster wirkt angenehmer und zierlicher als ein Rechteckmuster. Stabgitterzäune und Maschendrahtzäune lassen sich gut mit Rankern bepflanzen. Zu Renovierungszwecken sind alle Rankkonstruktionen leicht lösbar oder klappbar auszuführen.

Spreizklimmer
Die Triebe wachsen nicht breitflächig. Sie müssen geführt und befestigt werden. Beim Anbinden müssen sie das Dickenwachstum der Triebe berücksichtigen, damit es später nicht zu Triebabschnürungen kommt. Die Rankhilfen sollten nicht zu engmaschig sein: Mindestgröße 25 x 25 cm.

Welch Pflanzen eignen sich zur Laubenbegrünung?
Vielerorts wird die alte Tradition der Gartenlaube wieder aufgegriffen. Die filigrane Laube aus Metall oder Holz darf nicht mit einem zu üppigen Pflanzendach versehen werden. Neben der nachteiligen optischen Wirkung - die
Laubmassen wirken erdrückend, es fehlt die Transparenz - ist in diesem Fall auch ein schnelleres Austrocknen des Laubendaches nach Regenfällen nicht möglich. Pflanzen wie Lonicera, Glyzinie, Aristolochia, Echter und Wilder Wein, Rosen mit blau blühender Clematis eignen sich besonders zur Laubenbegrünung
Somit,
ich weiß ja nicht wo der wilde Wein geplant war, wenn er sich lieber in den Schatten zurückzieht, dann wird ihm mit einer Holzkonstruktion geholfen sein, da er mit den Jahren aber eine imposante Erscheinung wird, Holz auch ein Verfalldatum hat, wird man nicht umhin können, beides jährlich zu kontrollieren, Vorteil, man kann den wilden Wein sehr gut einkürzen, Rückschnitt verträgt er problemlos, eine Hundefreudin hat ihm am Haus, da macht die meiste Arbeit, das Laub sammeln und ab und zu die Fenster frei schneiden
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Re: Wilder Wein (Parthenocissus quinquefolia) am Zaun

Beitrag von Gartenphilosophin » Sa 6. Okt 2018, 09:37

Genau,

etwas einjähriges ist vielleicht besser, dann ziehen die Büsche irgendwann dicht und Du brauchst den Zaun nicht mehr sehen.

Anonsten, was wächst, wächst in die Büsche. Unweigerlich.
LG
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Re: Wilder Wein (Parthenocissus quinquefolia) am Zaun

Beitrag von Tillivilla » Di 9. Okt 2018, 22:30

Danke für den ausführlichen Beitrag, Gisa!

Ihr haltet mich jetzt wahrscheinlich für unverbesserlich *rot-werd* aber auf meiner letzten Laufrunde bin ich durch ein Dorf gekommen, wo ich sehr viel Wilden Wein (Jungernrebe) gesehen habe. Wirklich "mächtig" wirkte er eigentlich meist nur in Kombination mit anderen Pflanzen wie Efeu, Mauerkatze o.ä. An ein paar Zäunen konnte ich sogar genau das Bild entdecken, das ich mir für unseren Zaun wünschen würde! Wobei ich natürlich nicht sagen kann, wie viel oder wenig Schnittarbeit da dahinter stand.

Ich glaube, ich lasse die Idee über den Winter noch setzen und mache mich weiter über Alternativen schlau, und nächstes Jahr schauen wir dann, was es im Endeffekt wird.
Die Stabilität sollte kein Problem sein. Wir wohnen in einer recht windigen Gegend, und der Zaun ist so konstruiert, dass man trotzdem vollflächig diese "schicken" *iiih* Sichtschutzmatten einfädeln könnte.

Aber bitte, wenn jemand noch persönliche Erfahrungen (ob gute oder schlechte) mit der Jungernrebe beisteuern kann, immer nur her damit, ich sauge alles auf wie ein Schwamm! *ja*
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- Thomas Carlyle -

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Re: Wilder Wein (Parthenocissus quinquefolia) am Zaun

Beitrag von Axel » Fr 19. Okt 2018, 09:49

Habe mal stehendes Totholz mit Kaninchendraht (mit etwas Abstand zum Holz)umwickelt.
Unten ein Stück Wilden Wein reingesteckt und los gings.Er rankt schön und ich kann ihn hier gut im Zaum halten.
Wie jetzt im Herbst ist es ein toller Farbklecks im Hortus.
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Auf Veränderung zu hoffen,ohne selbst etwas dafür zu tun,ist wie am Bahnhof zu stehen und auf ein Schiff zu warten!

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