Die Haselmaus

Hier geht es um alle Säugetiere,die im Hortus so unterwegs sind.

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Die Haselmaus

Beitrag von Lisa Sting » Fr 7. Sep 2018, 09:24

Die Haselmaus (Muscardinus avellanarius)
Haselmaus im Nistkasten.JPG
Die Haselmaus ist gar keine Maus. Sie ist die kleinste von vier Bilcharten(Haselmaus, Gartenschläfer, Siebenschläfer, Baumschläfer), welche in Deutschland vorkommen. Ihren Namen hat sie zum einen ihrem mausähnlichen Habitus und zum anderen ihrer Haupt-Herbstspeise den Haselnüssen zu verdanken. An diesen hinterlässt sie einmalige Nagespuren, an denen ihre Anwesenheit zweifelsfrei nachgewiesen werden kann.

Das Aussehen der Haselmaus

Die Haselmaus ist wie gesagt mausähnlich gebaut. Sie ist in etwa so groß wie eine Hausmaus (Mus musculus), sie unterscheiden jedoch zwei wesentliche Merkmale von ihr. Zum einen ist die Haselmaus hell gefärbt und trägt eine orangerote Fellfärbung und zum anderen verfügt sie im Gegensatz zur Maus einen buschigen, dicht behaarten Schwanz. Dieser kann, ähnlich einer Eidechse, bei Gefahr abgestreift werden. Das gelingt allerdings nicht so "leicht" wie bei einer Eidechse. Die Haut des Schwanzes besitzt eine "Sollbruchstelle" an der sie reißt, wenn ein Beutegreifer sie am Schwanz gepackt hat. Der verbliebene hautlose Teil des Schwanzes muss dann abgenagt werden um Infektionen vorzubeugen.

Das Verhalten der Haselmaus

Der kleine Bilch ist ein nachtaktives Tier und lebt sehr scheu und zurückgezogen, weshalb man wahrscheinlich nie ein Exemplar zu Gesicht bekommt. Sie lebt im Heckenverbund und betritt möglichst nie den Boden sondern lebt in kleinen runden Kobeln aus Gras, Blättern und Moos am liebsten geschützt von Dornen einer Himbeere. Eine Haselmaus besitzt im Laufe des Sommers bis zu 5 Nester. Die Bodennähe sucht sie nur auf, wenn es Zeit für den Winterschlaf wird, welchen die Tiere von ca. Ende Oktober bis in den April hinein halten. Für diese Art der Überwinterung suchen sie die Laubstreuschicht des Waldbodens oder alte Baumstubben auf, vermutlich wegen der Feuchtigkeit, welche wohl eine Rolle bei der Überwinterung spielt. Diesen Winterschlaf überleben allerdings nur wenige Exemplare, ca. 80% versterben in dieser Phase ihres Lebens. Entweder aus Entkräftung oder weil sie im Boden von Wildschweinen aufgestöbert und verzehrt werden. Diejenigen die überleben erwachen im April, je nach Verlauf des Winters und je nach Witterung und begeben sich ausgehungert auf Nahrungssuche.

Die Nahrung der Haselmaus

Ihr Name deutet auf eine Hauptnahrungsquelle, nämlich der Haselnuss hin. Dies stimmt aber nur zum Teil, denn sie könnte auch genauso gut Brommbeermaus heißen, denn im Sommer ernährt sie sich mit Vorliebe von den Sammelsteinfrüchten und lebt gerne im Schutz ihrer Stacheln.
Aus dem Winterschlaf erwacht, bilden die Nektarien des Weißdorns die erste wichtige Nahrungsquelle. Es folgen friche Fichtenspitzen (Fichtenstrobili) und später die Nektarien vom deutschen Geißblatt (Lonicera periclymenum). Im Sommer dann fressen sie wie gesagt gerne Brombeeren und der Faulbaum (Rhamnus frangula) versorgt sie das ganze Jahr über mit Früchten. Ist der Herbst gekommen, wird es Zeit sich den nötigen Speck für eine Überwinterung anzufressen. Hier kommen die fett- und energiereichen Haselnüsse ins Spiel, welche direkt am Strauch verzehrt werden und an denen sie charakteristische Nagespuren hinterlassen. Diese sind spiralig um die Nagekante der Haselnuss verlaufend.


Was kann ich für die Haselmaus im Garten tun?

Den seltenen Bilch kann man selbstverständlich auch im Garten fördern indem man ihren Lebensraum nachahmt. Dies kann man in einem Hortus schaffen, indem man eine schöne dichte und artenreiche Pufferzone anlegt und ihre Futterpflanzen (siehe Nahrung der Haselmaus) unterbringt. Des weiteren kann man Nisthilfen anbringen. Entweder normal Nisthilfen für Vögel oder spezielle Nisthilfen für die Haselmaus, welche das Einschlupfloch zur Stammseite haben. Ich hatte schon einmal eine Haselmaus in einem herkömmlichen Nistkasten, in dem zuvor ein Trauerschnäpper genistet hat. Haselmäuse suchen aus noch ungeklärten Gründen gerne als Nachmieter das Nest von Trauerschnäppern auf.
Es gilt auf jeden Fall das rote List Tier zu schützen und mit etwas Glück entdeckt auch ihr ihre Nagespuren an der Haselnuss.

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Re: Die Haselmaus

Beitrag von Lisa Sting » Fr 7. Sep 2018, 09:26

Hier noch eine kleine Übersicht über die verschiedenen Fraßspuren an den Haselnüssen.
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Re: Die Haselmaus

Beitrag von Annika » Do 11. Okt 2018, 15:44


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