Glühwürmchen im Hortus

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Glühwürmchen im Hortus

Beitrag von Lisa Sting » Sa 25. Aug 2018, 09:30

Der kleine Leuchtkäfer(Lamprohiza splendidula)
Männchen des kleinen Glühkäfers im Spinnennetz (gut sichtbar die Leuchtzellen am Hinterleibsende).jpg
Männchen des kleinen Glühkäfers im Spinnennetz (gut sichtbar die Leuchtzellen am Hinterleibsende).jpg (239.38 KiB) 206 mal betrachtet
Der kleine Leuchtkäfer auch Glühwürmchen genannt, ist eine von drei Glühkäferarten welche in Deutschland vorkommen. Er ist von den drei Arten sicherlich die spannenste, da er die einzige Art in Deutschland bildet, bei der die fliegenden Männchen, mit Hilfe von Biolumineszenz, leuchten.
Ganz sicher ist es nicht warum sie das tun aber es wird davon ausgegangen, dass sie während des Fluges leuchten um eventuelle Fressfeinde abzuschrecken. Glühwürmchen sind nämlich unbekömmlich und verursachen beim Fressfeind (bspw. Fledermaus) Übelkeit.
Das Weibchen ist auch in der Lage zu Leuchten und tut dies am Boden liegend, da es flugunfähig ist und keine Flügel mehr besitzt. Das ist auch nicht nötig, denn sie lockt mit ihrem leuchtenden Hinterleib die Männchen bequem zu sich. Um das wegweisende Leuchten der Weibchen sehen zu können, hat das Männchen stark vergrößerte Augen und das Halsschild, welches seinen Kopf überragt und schützt, hat zwei Sichtfenster sodass er rundum sehen kann.
Das interessante Fortpflanzungsverhalten des kleinen Glühwürmchens findet jedes Jahr von Mitte Mai bis Ende Juli statt, wobei die Hauptaktivität um den Johannistag (Nacht vom 23.-24 Juni) zu verzeichnen ist, warum es auch als Johanniswürmchen bezeichnet wird.
Männchen des kleinen Glühkäfers  (gut sichtbar die großen Augen und die Sichtfenster im Halsschild).jpg
Männchen des kleinen Glühkäfers (gut sichtbar die großen Augen und die Sichtfenster im Halsschild).jpg (350.25 KiB) 206 mal betrachtet
Lebensraum

Der kleine Leuchtkäfer lebt vorzugsweise in Wäldern (feuchten Laubwäldern) aber auch in Parks und Gärten. Im Hortus ist sein Lebensraum sicher die Pufferzone, denn das kleine Glühwürmchen lebt da, wo seine Nahrung lebt. Was uns direkt zu ihrer Lebensweise führt...Lebensweise

Das kleine Glühwürmchen wird 3 Jahre alt. Davon jedoch, verbringt es die meiste Zeit als Larve. Während dieser Zeit, ernährt sich die Glühwürmchen-Larve von kleinen Nackt- und Gehäuseschnecken. Die Larve verfolgt dabei auf der Jagd die Schleimspur der Schnecke, tötet diese dann durch einen Giftbiss und verzehrt sie. Während diesen 3 Jahren Entwicklungszeit frisst sich die Larve die nötigen Fettreserven an, welche sie nach der Verpuppung und dem Schlupf zum fertigen Imago benötigen. Denn als erwachsener Käfer nehmen sie nur noch Wasser und keine Nahrung mehr zu sich. Das ist auch gar nicht nötig, da die männlichen Tiere nach ca. 5-7 Tage und die weiblichen Individuen ca. 7-10 Tage leben.

Wie kann ich Glühwürmchen im Hortus unterstützen?

Möchte man die Glühwürmchen auch bei sich im Garten haben oder unterstützen, tut man gut daran, wenn man ihren Lebensraum nachahmt. Da sich die Tiere hauptsächlich in Wäldern aufhalten, kann man damit anfangen, die Pufferzone im Hortus zu gestalten bzw. auszubauen. Sicherlich ist es auch förderlich eine Wasserquelle im Garten zu haben (Teich oder Bachlauf) um die von den Glühwürmchen benötigte Feuchtigkeit zu erschaffen.
Doch der größte Punkt ist das Schützen der Nahrungsquelle des Glühwürmchens, nämlich der Schnecken! Dies ist einfach getan, denn Schnecken kommen überall häufig vor. Man sollte also lediglich und das ist ohnehin Grundprinzip eines Hortus, auf SCHNECKENKORN verzichten!
Was sind schon ein Paar zerfressene Pflanzen gegen die magischen Momente, wenn Glühwürmchen durch den Garten streifen und ihre Leuchtspuren ziehen.
Leuchtspuren in der Pufferzone des Hortus rivalis.jpg
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Re: Glühwürmchen im Hortus

Beitrag von Simbienchen » Sa 25. Aug 2018, 10:45

Wow, das wusste ich gar nicht, dass die Larven sich von Schnecken ernähren !! Wieder etwas dazu gelernt *applaus* *ja*

Wieder ein toller und interessanter Beitrag , Lisa ....ganz lieben Dank dafür ! *knuddel*

Ich konnte dieses Jahr zum ersten Mal zwei Glühwürmchen in meinem Hortus entdecken....Ich liebe sie *verliebt*
Liebe Grüße aus dem Hortus roboris animi et pax *wink*

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Re: Glühwürmchen im Hortus

Beitrag von Lisa Sting » So 26. Aug 2018, 12:30

Liebes Simbienchen,

vielen Dank! Ich freue mich wenn es gefällt und vor wenn man noch was lernt.
Schön, dass du auch welche im Garten hast. Vielleicht kannst du ja nächstes Jahr auch welche fotografieren.

Ganz liebe Grüße
Lisa

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Re: Glühwürmchen im Hortus

Beitrag von Boloria » So 26. Aug 2018, 21:45

Klasse Bilder. Sind in der Nacht sicherlich nicht einfach zu machen. Auch die Leuchtspuren sind klasse und dazu wieder etwas gelernt.
In meiner Jugend gab es auch um Johanni immer jede Menge Glühwürmchen. Meist wenn wir vom Sonnwendfeuer heimgegangen sind.
Hier habe ich leider noch keine gesehen.
Es grüßt Boloria!

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Re: Glühwürmchen im Hortus

Beitrag von Lisa Sting » Do 30. Aug 2018, 16:30

Vielen Dank Boloria,

ja an den Bildern habe ich eine Weile gesessen... aber es war auch wirklich magisch die kleine lumineszierenden Käfer um mich herumschwirren zu haben. Ich bin sehr dankbar dafür und tue alles, dass sie da bleiben. Vielleicht entdeckst du ja nächstes Jahr welche.

Glg Lisa

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Re: Glühwürmchen im Hortus

Beitrag von Annika » So 9. Sep 2018, 09:15

Hier ergänzend ein kurzer Auszug von Markus Seite, hortus-insectorum.de :

Weshalb wir Gehäuseschnecken im Garten fördern und vor allem akzeptieren sollten:
.... Jede Gehäuseschnecke bedarf deswegen unseres unbedingten Schutzes.
Das Glühwürmchen als Gradmesser!
Die Larven von Glühwürmchen (ein Käfer) ernähren sich von Gehäuseschnecken. Die tanzenden Lichter erfreuen jeden Naturfreund an lauen Sommerabenden, aber seit 30 Jahren gehen die Bestände dramatisch zurück, warum wohl?
.....
*larve* *schnecke*

Vollständiger Text: http://hortus-insectorum.de/die-zentral ... schnecken/

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Re: Glühwürmchen im Hortus

Beitrag von Simbienchen » Mi 10. Okt 2018, 09:17

Lebensraum der liebenswerten Glühwürmchen sind Waldränder, Gebüsche, Schnittguthaufen, Totholzhaufen, Trockenmauer, feuchte Wiesen und wo es gaaaaanz viele Gehäuseschnecken gibt.
Gefunden in https://www.nabu-odenwaldkreis.de/infor ... hwürmchen/

Glühwürmchen brauchen Hilfe:
Leider werden Glühwürmchen immer seltener.

Sie sind um sich entwickeln und fortpflanzen zu können auf bestimmte Strukturen angewiesen. Offene Vegetationsformen, die auch schattige und feuchte Stellen aufweisen und Saumbiotope sind für die Leuchtkäfer wichtig.

Durch die Intensivierung der Landnutzung, die zunehmende Bodenverdichtung (beeinträchtigt die Larven), Einsatz von Schneckengifte und gedüngte Kunstwiesen haben es die kleinen Leuchttierchen immer schwerer.

Auch die Lichtverschmutzung ist ein Faktor der zur Abnahme der Glühwürmchen beiträgt. Helligkeit unterdrückt die Aktivität der Larven und Männchen werden von ihr vertrieben, so das die Weibchen, die in der Nähe von Lichtquellen sitzen, vergeblich auf ein paarungsbereites Männchen warten.

Was kann ich tun:
richten Sie in ihrem Garten Asthaufen ein, dort sitzen die Weibchen gern und für die Larven ist es eine perfekte Unterkunft um von dort auf Schneckenjagd zu gehen
errichten Sie Trockenmauern, Weibchen nutzen zum Anlocken gern erhöhte Sitzplätze
schaffen sie magere Wiesen, die nicht gedüngt werden
lassen Sie Krautsäume stehen, nicht alles muss mit der Motorsense kurz gehalten werden
setzen Sie kein Schneckengift ein
minimieren Sie künstliche Beleuchtung in ihrem Garten
lassen Sie Schnittguthaufen liegen, durch die sich darin entwickelnde Wärme werden Weibchen angelockt
vermeiden Sie die Mahd in der Leuchtzeit (Juni/Juli) am besten ist die Zeit im Mai und August zum Schnitt geeignet


Ein Sprichwort besagt: In einem Garten in dem Glühwürmchen leuchten herrscht ein guter Geist.

Helfen Sie mit, damit die Mitsommernächte wieder von einem magischen Leuchten erfüllt werden.
Liebe Grüße aus dem Hortus roboris animi et pax *wink*

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