Beifußblättriges Traubenkraut - Ambrosia artemisiifolia

Wenn ihr Pflanzen vorstellen möchtet, dann seid ihr hier am richtigen Platz. Hier sollen Beiträge gesammelt werden, die alle nötigen Infos zu einer bestimmten Pflanze enthalten. Selbstverständlich können diese Portraits auch gemeinsam durch Ergänzungen entstehen und müssen nicht in aller Ausführlichkeit von einer Person erarbeitet werden. ;-)

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dieser Bereich soll mit Beiträgen bestückt werden, in denen einzelne Pflanzen konkret vorgestellt werden. Da so ein allumfassendes Portrait aber wirklich Arbeit ist, sollten die Beschreibungen durch Teamwork entstehen. Jeder der kann steuert etwas bei, was wichtig sein kann, um ein ausführliche Pflanzenbeschreibung zusammen zu bekommen.

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Zausel
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Beifußblättriges Traubenkraut - Ambrosia artemisiifolia

Beitrag von Zausel » So 3. Sep 2017, 14:15

Beifußblättriges Traubenkraut - Ambrosia artemisiifolia

Da wir dieses Thema gestern im Hortus Netzwerk auf Facebook hatten, so wollte ich mich nun ausgiebig mit der Ambrosia artemisiifolia befassen und in div. Büchern, auf Internetseiten und aus E-Books die verschiedenen Informationen für alle Interessierten zusammenführen. Ich hab mir nun diese Informationen durch eine gerne und freiwillig eingelegte Nachtschicht erarbeitet und zu einem Posting zusammengefasst , falls ich etwas vergessen habe, oder ihr über weiteres Wissen über diese Pflanze verfügt, so lasst es mich bitte über die Kommentar-Funktion wissen...... hier ist mein Ergebnis. ;-)

Allgemeines: In Deutschland ist die Pflanze mindestens seit 1860 bekannt. In Nordamerika nennt man sie Ragweed. Nach dem Ende des zweiten Weltkrieges wurden die Samen mit den Getreidevorräten der amerikanischen Armee in verschiedene Gebiete Westeuropas eingeschleppt. Erst durch die Klimaerwärmung hat sich die Pflanze in den letzten Jahren zu einer regelrechten Allergiker-Plage entwickelt. Sie kann jetzt überall in Deutschland gefunden werden. In den letzten Jahren wurde sie vermehrt über Flug- und Schiffverkehr und wahrscheinlich durch Verunreinigungen in Saatgut und Getreide nach Europa eingeschleppt. Nach bisherigen Erkenntnissen gelangt Ambrosia artemisiifolia momentan primär über landwirtschaftliche Produkte, vor allem Vogelfutter, nach Deutschland. Alle importierten landwirtschaftlichen Produkte sollten daher frei von Ambrosia-Samen sein, wenn sie in den Handel gelangen. Auch der Transport von Grüngut und Erdmaterial in Bau- und Landwirtschaft trägt zu ihrer Verbreitung bei. Aus Sicht des Naturschutzes stellt die Beifußblättrige Ambrosie bisher in Deutschland nur in Ausnahmefällen ein Problem dar. Inwieweit Ragweed problematisch für Ökosysteme in Deutschland ist, ist noch zu klären, negative Einflüsse auf Stoff-Flüsse, Böden oder Gewässer sind bislang nicht bekannt. Ambrosia artemisiifolia ist in der Lage, Blei und Cadmium erfolgreich aus Böden aufzunehmen. Von der Bekämpfung durch Herbizide außerhalb von Äckern wird grundsätzlich abgeraten. Dadurch werden nicht nur Boden und Grundwasser belastet, sondern auch mehrjährige Pflanzenarten und damit die Vegetationsdecke vernichtet, so dass sich auf den vegetationsfrei gespritzten Flächen Ambrosien aus benachbarten Beständen oder aus im Boden befindlichen Samen schnell wieder ansiedeln können. Die Anwendung von Herbiziden ist zudem außerhalb landwirtschaftlicher Nutzflächen genehmigungspflichtig.

Unterscheidungsmerkmale: Unsere einheimischen Beifußarten sind auf der Blattunterseite silbrig-grau. Das Beifußblättriges Traubenkraut hat dies nicht und ist auf der Blattunterseite grün. Außerdem sind die reich verzweigten Stängel des Traubenkrauts leicht behaart und die Blütenstände gedrungener als beim einheimischen Beifuß.

Biologie: Die Beifußblättrige Ambrosie ist eine einjährige Pflanze und ein sogenannter Therophyt, d.h. sie überwindet die kalte Jahreszeit in Form von Samen, keimt im Frühjahr und vollendet ihren Entwicklungszyklus in einem Jahr. Witterungsabhängig kann sie bei uns ab März keimen, ab Mitte Juli beginnt die Blüte und endet im November, wobei die Hauptblütezeit zwischen August und Oktober liegt, ab September fruchtet sie bei entsprechender Witterung. Sie gehört zu den wenigen Korbblütlern, die durch den Wind und nicht durch Insekten bestäubt werden. Daher sind ihre Blüten stark reduziert (auffällige bunte Kronblätter fehlen) und es wird eine große Menge Pollen produziert. Geringe Temperaturen sowie hohe Luftfeuchtigkeit verhindern die Öffnung der Pollensäcke. Den Früchten fehlen besondere Ausbreitungsmittel, so dass die Beifußblättrige Ambrosie auf Transport, v.a. durch den Menschen, angewiesen ist. Hydrochorie (Ausbreitung mit Wasser) ist nachgewiesen, epizoochore (an Tieren) Ausbreitung denkbar. Die langlebigen Samen bleiben bis zu 39 Jahre keimfähig. Sie sind Kältekeimer. Für ihre vollständige Entwicklung, d.h. bis zur Bildung reifer Samen, benötigt die Art u.a. ein Klima mit mehr als 150 frostfreien Tagen im Jahr.

Altes Wissen über Ragweed: Blätter bei Fieber, Durchfall, Übelkeit; diverse Hautverletzungen; Schwellungen, Prellungen, Ödeme in Folge von Knochenbrüchen. Die amerikanischen Ureinwohner nutzten die Ambrosia-Pflanze wegen ihrer besonders entzündungshemmenden und schmerzstillenden Wirkung als Heilpflanze. Mit Tee und Salben aus den Wurzeln und Blättern behandelten sie neben Fieber, Durchfall und Übelkeit vor allem diverse Hautverletzungen an Mensch und Vieh sowie Schwellungen, Prellungen und Ödeme in Folge von Knochenbrüchen. Verwendete Teile: Wurzeln, Blätter, frischen Blütenköpfe und jungen Schösslinge. Achtung!!!!! Ambrosie darf nicht innerlich angewendet werden, die Pollen können schwere Allergien auslösen. Ausnahme: Homöopathische Aufbereitung.

Interessantes über Ragweed: In der Homöopathie werden Präparate, die aus frischen Blütenköpfen und jungen Schösslinge der Ambrosia artemisiifolia gewonnen werden, bei Heuschnupfen und Sommerdurchfällen angewandt. Die ölhaltigen Früchte von Ambrosia artemisiifolia werden in Nordamerika von verschiedenen Singvogelarten gefressen.

Jetzt noch ein wenig Wissen was die Pflanze an Allergien auslösen kann: Bei manchen Menschen tritt bei Berührung der Beifußblättrigen Ambrosie eine Hautreaktion (Kontaktdermatitis) auf. Die Betroffenen berichten von geröteten, geschwollenen und juckenden Hautbereichen. Außerdem sind Kreuzallergien gegen Lebensmittel wie Melonen und Bananen bekannt. Sie gilt inzwischen bei Allergikern europaweit und insbesondere in den USA als extremes Übel. Dort haben angeblich 50 Prozent aller Pollenallergiker eine Ragweed-Allergie. Auch in Kanada, Asien und bereits einigen Teilen Europas wird sie mittlerweile als gefährlicher Allergieerreger eingestuft. In der Schweiz herrscht Bekämpfungs- und Meldepflicht. Die Pollen des Traubenkrauts gehören zu den stärksten bekannten Allergie-Auslösern. Bereits sechs Pollen pro Kubikmeter Luft können bei empfindlichen Personen allergische Reaktionen auslösen: Schon elf Pollen pro Kubikmeter gelten als starke Belastung (Bei Gräserpollen spricht man erst ab einer Konzentration von mehr als 50 Pollen pro Kubikmeter Luft von einer starken Belastung). Die unbehandelte Allergie kann allergische Reaktionen der Augen und der Atemwege auslösen und im schlimmsten Fall auch zu Asthma führen. Allergiker müssen auch mit Kreuzreaktionen mit Goldrute, Sonnenblume, Kamille, Arnika und anderen Korbblütlern rechnen.

Quellen: Sonnenenergie, Neobiota, Bundesamt für Naturschutz, Questing Wolf, Dr. Christian Rätsch, Wikipedia, Geheimnisse der Heilkräfte der Pflanzen, Zausel.
Buidlquelle by Wildfind

Danke fürs Lesen

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