Grundsätzliches zu einem Insektenhotel

Hier dreht sich alles um die Behausungen und Unterkünfte unserer tierischen Hortusbesucher. Ob extra gebautes Insektenhotel oder zufällig entdeckte Ecke, in der sich ein Tier wohl fühlt: Alles hier her bitte!

Moderator: Lisa Sting

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Annika
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Grundsätzliches zu einem Insektenhotel

Beitrag von Annika » Di 6. Jun 2017, 16:36

Puh, da sind wir schneller wieder drin, als uns lieb ist. Gerade haben wir angefangen, ein Insektenhotel zu bauen. Jetzt gießt es so dermaßen, dass wir nach nicht mal einer Minute völlig durchnässt waren... *grummel*

Aber gut.... Kann ich nochmal ein paar Fragen klären, bevor ich vor lauter Enthusiasmus alles falsch baue.... :roll:

Also:
1.) Muss ein Insektenhotel eine bestimmte Höhe haben, damit es angenommen wird?
2.) Müssen die angebotenen "Zimmer" in eine bestimmte Richtung zeigen?
3.) Wie empfindlich sind Biene & Co? Soll heißen, muss das Hotel abseits in einer ruhigen Ecke sein oder kann da auch ruhig mal jemand vorbeigehen, ohne das die Bienchen sich gestört fühlen? (In unserem Fall wäre das eine fast zweijährige die da mal vorbeiflitzen könnte)
4.) Was hab ich noch nicht gefragt, sollte ich aber beachten, weil es typische Anfängerfehler sind?

Dann macht mich mal schlauer! :ugeek:

Vielen Dank!

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Brunnladesch
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Re: Grundsätzliches zu einem Insektenhotel

Beitrag von Brunnladesch » Di 6. Jun 2017, 18:41

Annika hat geschrieben: 1.) Muss ein Insektenhotel eine bestimmte Höhe haben, damit es angenommen wird?
2.) Müssen die angebotenen "Zimmer" in eine bestimmte Richtung zeigen?
3.) Wie empfindlich sind Biene & Co? Soll heißen, muss das Hotel abseits in einer ruhigen Ecke sein oder kann da auch ruhig mal jemand vorbeigehen, ohne das die Bienchen sich gestört fühlen? (In unserem Fall wäre das eine fast zweijährige die da mal vorbeiflitzen könnte)
4.) Was hab ich noch nicht gefragt, sollte ich aber beachten, weil es typische Anfängerfehler sind?
Zu 1. Empfohlen wird so auf "Kopfhöhe" wegen Spritzwasser (Regen der vom Boden hochspritzt z.B.) und weil es dann über der Vegetation natürlich besser gesehen wird.
Zu 2. Am besten ist wohl, wenn Sonnenlicht rankommt. Südosten oder dergleichen.
Zu 3. Eigentlich gar nicht empfindlich. Durch die Höhe kommt das Kleinkind nicht ran. Es sollte natürlich auch nicht gerade da sein, wo andauernd Action ist.
Zu 4. Kiefernzapfen, Stroh und sowas kannst dir eigentlich komplett sparen. An und für sich wird Hartholz empfohlen. Es sollte abgelagertes Holz sein, damit nichts harzt. Dann sagt man noch nicht in Stirnholz bohren, weil das Holz reicht reißt und entlang der Fasern gerne Nässe gezogen wird. Man soll quasi von der Seite reinbohren, weil das "natürlicher" ist, weil in der freien Wildbahn ja auch Käfergänge besiedelt werden und so.

Werner David hat ja einige gute Videos zu dem Thema gemacht und auch ein (paar) Bücher geschrieben. https://www.naturgartenfreude.de/

Nicht ganz verkehrt finde ich eigentlich dieses Bild hier. So als Hilfestellung. Das wird ja gerne zu diesem Thema gezeigt.
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Re: Grundsätzliches zu einem Insektenhotel

Beitrag von Brunnladesch » Di 6. Jun 2017, 18:50

Ach ja,wenn man bohrt: 4, 6 und 8 mm breite Löcher werden eigentlich am besten angenommen. Löcherbiene, Maskenbiene, Mauerbiene. 8-10 cm haben sich wohl bewährt.

Bei den Strangfalzziegeln geht die Meinung ja auseinander, ob man die halbieren soll oder nicht und ob man die Löcher hinten zu machen muss oder nicht.

Schilf, Bambus und Pappe werden als Röhrchen (unterschiedlich) gut angenommen. Was letztlich angenommen wird, muss man sehen. Wichtig ist, dass die Kanten vorne nicht rau und ausgefranzt sind, weil dann Flügelchen verletzt werden können bzw. die Bienchen gar nicht erst rein gehen, weil das ja passieren könnte.

Schilf selber schneiden empfand ich jetzt eher als frustrierend, weil mir viel gesplittert ist. Das A und O ist da wohl, dass man die getrockneten etwas einweicht und ein anständiges Werkzeug hat. Mit meiner miesen, billigen, stumpfen Gartenschere war das eher nix schönes.
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Re: Grundsätzliches zu einem Insektenhotel

Beitrag von 7auberwuerfel » Di 6. Jun 2017, 18:53

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Re: Grundsätzliches zu einem Insektenhotel

Beitrag von Annika » Di 6. Jun 2017, 18:56

Wow! Das ist mal ne Bettenburg! :mrgreen:

Aber wie es aussieht, sind auch die unteren Kästen besiedelt. Das wäre in unserem Fall sehr gut. (Werde ich später mal mit Fotos von berichten.)

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Re: Grundsätzliches zu einem Insektenhotel

Beitrag von maleficum » Do 8. Jun 2017, 14:08

Holz hätte ich genug
aber Bohrer ...
zumal diese Bewohner nun so gar nicht gefährdet sein sollen ..
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CHX
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Re: Grundsätzliches zu einem Insektenhotel

Beitrag von CHX » So 18. Jun 2017, 10:09

Ich habe möglichst viele Quellen über künstliche Nisthilfen angezapft und versucht, eine Quintessenz für eine optimale Herangehensweise herauszufiltern (die ich laufend aktualisieren werde):

Was ist für Wildbienen besonders geeignet?

Bambusrohr und Riesenschilf
Bambusrohr Tonkin (Arundinaria amabilis/Pseudosasa amabilis) und Riesenschilf (Arundo donax) sind aufgrund ihrer Dickwandigkeit und Haltbarkeit am geeignetsten und werden erfahrungsgemäß sehr gerne von Wildbienen angenommen. Die Röhrchen sollten getrocknet sein, Innendurchmesser von 2-9 mm sowie eine Länge von 15-20 cm aufweisen (je länger die Röhrchen, desto weniger Dummyzellen und desto mehr Brutzellen für weiblichen Nachwuchs). Die Hohlräume der Röhrchen sollten markfrei und sauber sein, die Rückseiten der Röhrchen müssen geschlossen sein (Pflanzenknoten oder Watte) oder bündig an der glatten Rückwand eines Nisthilfenmoduls anliegen. Die Öffnungen der Röhrchen dürfen keine Splitter und Späne aufweisen, weil ansonsten eine Verletzungsgefahr für die empfindlichen Flügel der Insekten besteht. Die Röhrchen können leicht ausgetauscht werden, falls der Parasitenbefall an der Nisthilfe Überhand nehmen sollte oder nicht mehr nutzbare Niströhren ersetzt werden müssen.

Hartholzblöcke
An zweiter Stelle auf der Beliebtheitsskala von Wildbienen stehen Hartholzblöcke. Für Hartholzblöcke eignen sich ausschließlich Harthölzer mit einer Darrdichte über 550 kg/m³ (vorzugsweise Eschenholz, aber auch Eichenholz, Buchenholz, Ahornholz oder auch Obstbaumholz). Das mehr als 2 Jahre abgelagerte Holz sollte trocken sein und mit Bohrgängen quer zur Holzmaserung in das Längsholz versehen werden. Die Bohrgänge mit Durchmessern von 2-9 mm werden mit scharfen Holzbohrern vorgebohrt und mit HSS Stahlbohrern bzw. Schlangenholzbohrern nachgebohrt (jeweils mit einer Drehzahl unter 800 Umdrehungen pro Minute und geringem Vorschub). Die Tiefe der Bohrgänge sollte 15-20 cm betragen. Die Bohrgänge müssen hinten verschlossen bleiben. Anfallendes Bohrmehl klopft man nach dem Bohren aus den Gängen heraus, die Holzoberfläche glättet man mit feinem Sandpapier, damit die Nesteingänge nicht durch querstehende Fasern versperrt werden (ansonsten besteht wiederum Verletzungsgefahr für die Insektenflügel). Hartholzblöcke sind bei guter Pflege und Reinigung sehr langlebige Nisthilfen.

Pappröhrchen
Seit einigen Jahren gibt es Pappröhrchen aus Hartpappe auf dem Markt, die sich in der Praxis gut bewährt haben und von den Insekten gut angenommen werden. Man sollte darauf achten, die Pappröhrchen nur in geschützten Nisthilfen, die nicht unmittelbar der Witterung ausgesetzt sind, zu verwenden. Die Rückseiten der Pappröhrchen sollten geschlossen sein oder bündig an der glatten Rückwand eines Nisthilfenmoduls anliegen.

Markhaltige Stängel
Einige Wildbienen verwenden zum Nisten gerne abgebrochene oder abgeschnittene, markhaltige Stängel der Brombeere. Die Stängel sollten eine Mindeststärke von 1 cm und eine Länge von ca. 50-80 cm haben - sie sollten einzeln mit Mindestabständen von 50 bis 100 cm zueinander, ohne Bodenkontakt und senkrecht angebracht werden.

Totholz
Einige Spezialisten unter den Wildbienen nagen ihre Nistgänge in Totholz. Hier spielt vor allem weißfaules, noch relativ hartes Laubholz (optimal ist Obstholz) eine wichtige Rolle, braunfaules Holz ist zur Besiedelung nicht geeignet. Totholz für Wildbienen sollte trocken, bodenfern und sonnig aufgestellt werden - es können größere morsche Holzklötze, Balken oder dickere Äste verwendet werden. In Mitteleuropa sind auch ca. 1400 Käferarten in ihrer Lebensweise eng an Totholz gebunden, Fraßgänge von Käferlarven stellen wiederum den natürlichen Nistraum für viele Wildbienenarten dar.

Sandstellen
50 Prozent aller heimischen nestbauenden Bienenarten nisten im Erdboden (endogäisch) - die Nester werden zusätzlich von deren Kuckucksbienen genutzt (weitere 25 Prozent der Bienenarten), sodass ca. 75 Prozent aller Wildbienenarten Bodenstrukturen und Steilwände für den Nestbau nutzen. Für diese Exemplare kann man eine sonnenexponierte Stelle im Garten mit einer Mindestgröße von einem Quadratmeter ausheben oder als Hochbeet mit umliegender Trocken- oder Totholzmauer anlegen. Zuunterst kommt eine Drainageschicht aus Bauschutt oder grobem Kies. Darauf wird 50–100 cm hoch ungewaschener (mit geringen Lehmanteilen) und sehr feiner Sand schichtweise aufgefüllt und schichtweise kompakt verdichtet (gewaschener und/oder unverdichteter Sand ist zu locker für Brutgänge). Der Sand sollte dabei feucht verarbeitet werden. Die Sandstellen sollten im weiteren Verlauf von Bewuchs weitestgehend freigehalten werden.
Weitere Informationen: Erdnistende Wildbienen

Was ist weniger oder gar nicht geeignet bzw. schädigt sogar den Wildbienennachwuchs?

- Bohrungen im Hirnholz, nicht ausreichend getrocknetes Holz sowie Bohrungen mit geringen Abständen zueinander neigen zu Rissbildungen und somit zu verstärkter Parasitierung, Feuchtigkeitsaufnahme und Verpilzungen
- Nadelbaumholz neigt zur Verharzung der Brutröhren und quillt bei Feuchtigkeitseintritt auf
- Weichholz quillt ebenfalls bei Feuchtigkeitseintritt auf
- Acrylglas-, Kunststoff- und Metallröhrchen sind luftundurchlässig und neigen zu Verpilzungen
- dürre, rissige, markhaltige, gequetschte, dünnwandige, zu kurze und/oder unsauber geschnittene Stängel und Naturstrohhalme werden entweder gar nicht erst angenommen oder neigen bei Annahme zu verstärkter Parasitierung
- Papierhülsen neigen zu verstärkter Parasitierung
- an der Modulrückwand befestigte Halme, Röhrchen und Hülsen machen einen späteren Austausch unmöglich
- Lochziegel weisen völlig ungeeignete Öffnungen auf
- Gasbetonsteine neigen zur Feuchtigkeitsaufnahme und zu Verpilzungen
- Bienensteine besitzen aufgrund ihrer geringen Tiefe nur sehr kurze Brutröhren
- Strangfalzziegel zeigen häufig verengte Öffnungen durch den Fertigungsprozess und eignen sich nur für sehr wenige Wildbienenarten
- Blech- und Kunststoffdosen als Ummantelung neigen aufgrund ihrer Luftundurchlässigkeit zu Kondenswasseransammlungen und zu Verpilzungen
- Tannenzapfen, Schneckengehäuse, Holzschnipsel und Holzwolle sind als Füllmaterial völlig nutzlos

Ein paar grundsätzliche Hinweise:

Man sollte nicht erwarten, mit den gängigen künstlichen Nisthilfen einen Beitrag zum Schutz der Wildbienen zu leisten. Nur 5 Prozent der ca. 560 einheimischen Wildbienenarten nehmen künstliche Nisthilfen an. Künstliche Nisthilfen können die natürlichen Nistplätze der Wildbienen keinesfalls ersetzen - viele Wildbienenarten haben sehr spezielle ökologische Ansprüche an ihre Lebensräume, die in menschlichen Siedlungsräumen nicht existieren und auch nicht künstlich zu erschaffen sind. Die natürlichen Habitate gilt es also in erster Linie zu schützen.

Man vermehrt mit den künstlichen Nisthilfen auch die Parasiten der Wildbienen (Echte Parasiten, Raubparasiten, Brutparasiten) und macht es ihnen im Besonderen mit größeren Nisthilfenanlagen sehr einfach, ihre Wirte aufzufinden.
Typische Parasitoide von Wildbienen sind Schlupfwespen, viele Erzwespen, Fächerflügler, Taufliegen, Wollschweber, Raupenfliegen und einige Goldwespen. Daneben existieren noch Brutparasiten, die ihre Eier während der Verproviantierungsphase in die Brutzellen der Wildbienen ablegen (Kuckucksbienen, Schmalbauchwespen, Keulenwespen).
Abfälle vom Nestbau oder von einer Wiederbelegung, die sich an den Nisthilfen sammeln, sind ein Tummelplatz für Milben. Brutröhren, die aus nicht geeignetem und/oder beschädigtem Material angeboten werden, verpilzen häufig. Ameisen plündern gerne den eingetragenen Nahrungsvorrat und abgelegte Eier. Diebskäfer besiedeln verlassene Brutröhren und ernähren sich von den Nahrungsresten und abgestorbenen Bienen.

Auch für Vögel (Meisen, Kleiber, Spechte, Elstern) sind große Ansammlungen von Niströhren sehr reizvoll - hier kann man durch Maschendraht (Maschenweite 3x3 cm, 2x4 cm oder 2,5x5 cm) oder durch senkrechte, für die Vögel gut sichtbare Drähte (mit Abständen von 3 cm) Abhilfe schaffen. Die Vogelschutzgitter sollten einen Abstand von 5-10 cm zu den Niströhreneingängen haben, damit die Wildbienen sich hinter den Gittern frei bewegen und auch längere Vogelschnäbel nicht an die Niströhren gelangen können.

Bei größeren Anlagen ist auch die spätere Pflege erschwert, die häufig unterschätzt wird. Mindestens einmal jährlich sollte geprüft werden, ob die verwendeten Materialien noch in Ordnung sind (Risse, Spalten, Verwitterungen, Verpilzungen, Milbenbefall). Röhrchen halten je nach Material, Standort und Witterung in aller Regel 2 bis 5 Jahre, sodass nach diesen Zeiträumen unter Umständen komplette Renovierungen der Nisthilfen nötig werden. Hartholzblöcke dürften bei guter Pflege und Reinigung deutlich länger halten.
Die Belegungen der Brutröhren müssen ebenfalls überprüft und ggf. aussortiert werden. Eine gute Kontrolle der Brutröhren lässt sich mit Wasserfarbe erreichen, die man im Herbst per Pinsel auf die Niströhrenverschlüsse aufbringt. Wenn diese farbigen Punkte im darauffolgenden Herbst immer noch da sind, dann sind die Brutröhren abgestorben und können entsorgt oder gereinigt werden. Bei sehr hohen Verlusten sollten die kompletten Nisthilfen ausgetauscht bzw. gänzlich entfernt werden.

Fazit

Es sollten nur kleine Nisthilfenmodule (gefüllt mit Bambus-/Riesenschilfröhrchen und Hartholzblöcken) dezentral im Garten verteilt werden.
Die Nisthilfen werden zwecks Wetterschutz mit geschlossenen Rück- und Seitenwänden sowie mit Dächern versehen. Ideal sind transparente und lichtdurchlässige Dächer, um eine zu starke Beschattung der Niströhren zu vermeiden.
Frontseitig sollten Vogelschutzgitter mit ausreichendem Abstand installiert werden, speziell wenn mit herausnehmbaren Niströhrchen gearbeitet wird.
Die Aufstellung bzw. Aufhängung der Nisthilfen erfolgt bodenfern und bewegungsfrei an sonnigen, wind- und regengeschützten Plätzen mit südöstlicher bis südwestlicher Ausrichtung. Ideal sind Standorte in südöstlicher Ausrichtung mit einer morgendlichen Besonnung und einer nachmittäglichen Beschattung, damit sich die Nisthilfen im Hochsommer nicht zu stark aufheizen.
Regen sollte nie direkt an die Nistmaterialien gelangen können. Nach Norden ausgerichtete, voll beschattete oder im Wind baumelnde Nisthilfen werden nicht gerne besiedelt.

Optimal wäre es, wenn man an Hartholzblöcken nur Bohrungen mit Durchmessern von 2-5 mm setzt, um die frühfliegenden Mauerbienen von den Harthölzern fernzuhalten und sie stattdessen auf Bambus-/Riesenschilfröhrchen mit Durchmessern von 6-9 mm umzulenken.
Dieses Vorgehen erleichtert die spätere Pflege und Reinigung der Nisthilfen, weil Gehörnte und Rostrote Mauerbienen ihre alten Nester nur ausnahmsweise und nur auf den letzten Zentimetern reinigen. Man kann die Röhrchen mit den verlassenen Nestern der Mauerbienen dann einfach austauschen. Wildbienen, die die kleineren Brutröhren an den Hartholzblöcken nutzen, versäubern diese vor Neubesiedelung häufig selbst.

Möchte man ausschließlich mit Hartholzblöcken als Nisthilfen arbeiten, so empfiehlt es sich auch in diesen Fällen, für die einen Nistblöcke nur Gänge mit einem Durchmesser von 2–5 mm vorzusehen und für Gänge von 6–9 mm Durchmesser andere Nistblöcke zu nehmen - die Kombinationen von Bohrweiten also auch bei den Hartholzblöcken räumlich zu trennen.
So hat man die Möglichkeit, die Nistblöcke für die frühfliegenden Mauerbienen (nach einer zweimaligen Besiedelung) im zeitigen Frühjahr in einen allseits geschlossenen Karton zu legen, in dessen Seite man ein Ausflugloch von 1–2 cm Durchmesser schneidet. Wenn die Mauerbienen (und andere etwaige Bewohner) schlüpfen, verlassen sie den Karton durch das Ausflugloch - gleichzeitig verhindert der Karton eine Neubesiedelung. Im darauffolgenden Herbst können die Bohrgänge gefahrlos gesäubert und die gereinigten Hartholzblöcke weiterverwendet werden.

In unmittelbarer Umgebung der Nisthilfen pflanzt man einheimische Pflanzen und Sträucher, die von Februar bis Oktober als sogenanntes Trachtfließband Nektar und Pollen für die Wildbienen spenden. Dieses Vorgehen erzeugt kurze Wege zwischen den Nistplätzen und den Nahrungspflanzen. Man hält dadurch die Energiekosten bei der Nahrungssuche niedrig, senkt die natürlichen Risiken (Freßfeinde, Parasitierung und Verschleiß) und verhindert somit eine unzureichende Verproviantierung der Brutzellen. Sammelflugdistanzen sind bei den Wildbienen artspezifisch begrenzt: kleinere Wildbienenarten fliegen in aller Regel nur maximal 100 bis 300 Meter zwischen Nistplatz und Nahrungsangebot, größere Wildbienenarten schaffen 600 bis 1.200 Meter.

Generell schafft man mit einheimischen Pflanzen den größten Nutzen für alle Wildbienenarten - nicht nur für die 5 Prozent Nisthilfenbewohner.
Sehr gute Hinweise zu geeigneten Pflanzen und Gehölzen findet man hier:
Verbesserung des Nahrungsangebots für Wildbienen
Wildbienen-Futterpflanzen
Einheimische Wildpflanzen für Bienen

Bei den Nisthilfen gilt also die Devise: Weniger ist mehr.
Bei den Nahrungspflanzen, Totholzangeboten, Trockenmauern, Sandstellen und anderen Naturmodulen gilt dagegen die Devise: Je mehr, desto besser.

Gute Wildbienenseiten:
Faszination Wildbienen (von Paul Westrich)
wildBee
Wildbiene (von Volker Fockenberg)
Wildbienen (von Werner David)
Naturschutz mit Faszination für Wildbienen (von Hermann Hunfeld)

wildBee gibt hier einen Überblick, welche Durchmesser bei den Niströhreneingängen von welchen Wildbienen bevorzugt werden:
Welcher Durchmesser für wen?

Ein Versuchsaufbau von wildBee über Materialien, die hohlraumbewohnende Wildbienenarten besonders gerne mögen:
Beobachtungsauswertung 2012
Beobachtungsanlage 2012: Materialwahl
Beobachtungsauswertung 2013

Ein paar kritische Anmerkungen von wildBee zu Nisthilfen für Wildbienen (größtenteils zurecht, wie ich finde):
Künstliche Nisthilfen - Pro und Kontra

Empfehlenswerte Bücher zum Thema Wildbienen:
Wildbienenschutz - von der Wissenschaft zur Praxis
Wildbienen - Die anderen Bienen
Bienen Mitteleuropas
Bienen, Hummeln, Wespen im Garten und in der Landschaft
Fertig zum Einzug: Nisthilfen für Wildbienen
Wildbienenhelfer: Wildbienen & Blühpflanzen

Empfehlenswerte käufliche Nisthilfen, die fachlich korrekt gestaltet sind und auch ausreichende Brutröhrentiefen vorweisen:
Der Naturschutzcenter hat ein Leergehäuse inkl. Vogelschutzgitter im Programm, welches bspw. mit Niströhren aus Hartpappe bestückt werden kann.
Bioterra bietet (in Zusammenarbeit mit wildBee) sehr gut gemachte Nisthilfen an, die mit Bambusröhrchen und Hartholzblöcken bestückt sind. Die Nisthilfen sind als große und als kleine Version käuflich (Ersatzröhrchen aus Bambus).
Franz Dossenbach (ebenfalls aus der Schweiz) fertigt seine hochwertigen Nisthilfen mit Bambusrohr Tonkin sowie mit Hartholzblöcken aus gut abgelagerter Eiche.
Manfred Frey zeigt viel Liebe zum Detail bei seinen Nisthilfen aus rissfreiem Buche-, Nuss- und Birkenholz sowie Bambus- und Schilfröhrchen mit unterschiedlichen Durchmessern.
Wer es etwas ausgefallener mag, wird bei Reinhard Molke fündig: seine aufwändig produzierten "Wibinihis" aus alten Eichenbalken und Recyclingblechdächern besitzen extra tiefe Bohrungen in individueller Anordnung.
Zuletzt geändert von CHX am Do 9. Aug 2018, 19:46, insgesamt 104-mal geändert.
Wenn ich groß bin, werde ich eine richtige Signatur.

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Re: Grundsätzliches zu einem Insektenhotel

Beitrag von maleficum » So 18. Jun 2017, 10:28

Find ich toll, CHX
*hortus*
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Re: Grundsätzliches zu einem Insektenhotel

Beitrag von Lucina » Mo 19. Jun 2017, 05:50

Wow!

Danke für die super Zusammenfassung / Übersicht CHX!
Das war jetzt für mich wirklich hilfreich!

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Re: Grundsätzliches zu einem Insektenhotel

Beitrag von Annika » Mo 19. Jun 2017, 08:15

Vielen Dank für diese mega gute Auflistung und umfangreiche Information CHX.
CHX hat geschrieben:an sonnigen, wind- und regengeschützten Plätzen in südöstlicher Richtung ausgerichtet.
Ist das die Idealbedingung oder die einzig sinnvolle?
Das wird mit der Platzauswahl bei uns sonst echt schwierig. Den ganzen Tag Sonne könnte ich nur an sehr offenen Stellen im Garten bieten. Die wären dann aber nicht wind- und regengeschützt. Und bei uns herrscht ziemlich häufig Wind. Hier ist plattes Land und extrem wenig Bebauung und Baumbestand in der Region.
Auch die süd-östliche AUsrichtung ist etwas schwierig, denn in dieser Richtung hat der Nachbar einige Bäume stehen, so dass wir da vormittags eher halb-schattige Lage im Garten haben.

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