Bodenübersichtskarte von Deutschland

.... alles was die Hotspotzone betrifft, bitte hier her!
GmiasObstTierla
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Re: Bodenübersichtskarte von Deutschland

Beitrag von GmiasObstTierla » Fr 23. Feb 2018, 12:52

Bei Markus ist die Hotspotzone immer nährstoffarm, weil dort die Vielfalt am höchsten ist und mit dem Abmagern über die Mahd die Ertragszone gedüngt wird. Soweit logisch und klar für mich - Vielfalt und Nährstoffbilanz.

Nur: Im Umkreis vom 50km kann man bei mir im Oberschwäbischen keine mageren Naturstandorte finden, hier gibt es überall schwere fette Böden. Das bisschen Kies / Schottervorkommen hat der Gletscher nach unten befördert (heute sind das die Kiesgruben), wenn ich den Tonboden austausche mache ich das faktisch rückgängig. Und ganz so ökologisch sind die Kiesgruben auch nicht.

Daher verstehe ich Annikas Bauchschmerzen völlig und stelle bei genauerer Betrachtung bei mir auch die Aufweitung des Hotspot-Begriffs fest - mager muss sein, ist aber nicht alles. Andere Lebensräume mit hoher Artenvielfalt sind bei mir auch Hotspot-Bestandteil, auch wenn sie fetter sind - also auch die bei mir im Landkreis heimischen Hochstaudenfluren mit toller Artenvielfalt.

Nur könnte ich zusätzliche Nährstoffgaben in der Ertragszone schon gebrauchen, weil dort recht viele Starkzehrer wachsen. Daher bin ich mit meiner Nährstoffbilanz noch nicht zufrieden, aber andere Gemüseauswahl ist schmerzhaft und eine größere Hotspotzone geht auch nicht, weil der Garten zu klein ist für alle Wünsche. Da muss ich Brennnesseln für Jauche an den Stellen am Ortsrand ernten, wo andere ihren Grünmüll verklappen - das war zumindest bisher die Lösung.

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Re: Bodenübersichtskarte von Deutschland

Beitrag von Indy » Di 30. Okt 2018, 12:53

Ich habe aufgrund dieses Beitrags nach einheimischen Pflanzen in meiner Region gesucht und eine 73 Seiten lange Schrift für gebietsheimische Gehölze in Baden-Württemberg gefunden.
Ein Abschnitt macht mich allerdings stutzig bzw. ich verstehe den Sinn nicht. Kann mir das vielleicht jemand erklären?
Zitat:
5.2 Seltene Gehölzarten Seltene Gehölzarten sind in der Regel an Sonderstandorte gebunden oder sie sind deshalb selten, weil sie im Gebiet am Rande ihres Areals wachsen, wo die Wuchsbedingungen für sie nicht mehr optimal sind. Ihre Pflanzung führt in der Regel zu einer Florenverfälschung und mindert die Bedeutung dieser Gehölzarten für die floristische Eigenart bestimmter Naturräume und Landschaften. Sie sollen nicht durch Pflanzungen weiter verbreitet und häufiger werden, was eine „Nivellierung“ des Artenspektrums in den Landschaften und Naturräumen bewirken würde. Vielmehr sollen sie weiterhin selten bleiben und die besondere Standortsituation und floristische Eigenart an ihren Wuchsorten anzeigen. Zu dieser Gruppe gehören zum Beispiel Embergers Felsenbirne (Amelanchier ovalis subsp. embergeri), Felsen-Kirsche (Prunus mahaleb), Pimpernuß (Staphylea pinnata) und Eibe (Taxus baccata).

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Re: Bodenübersichtskarte von Deutschland

Beitrag von Simbienchen » Di 30. Okt 2018, 15:20

Das liest sich für mich widersprüchlich... :?

Von wann mag wohl dieser Text sein? Wussten die zu der Zeit schon vom Verlust des Artenreichtums im pflanzlichen als auch im tierrischen Bereich ?

Ich würde diese Aussage vernachlässigen...seltene Gehölzarten sollten erhalten werden und nicht um der "Nivellierung" Willen, abgewertet werden....was für eine Argumentation ?? :?
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Re: Bodenübersichtskarte von Deutschland

Beitrag von Annika » Mi 31. Okt 2018, 08:00

Hallo Indy, genau diese Aussage hatten wir neulich auf einem Seminar. Ich versuche es mal auseinanderzuklamüsern. Ist aber gar nicht so einfach. ;-)
5.2 Seltene Gehölzarten Seltene Gehölzarten sind in der Regel an Sonderstandorte gebunden ...
Seltene Gehölzarten sind deshalb selten, weil sie ganz spezielle Standortansprüche* haben, die nicht so oft vorkommen und weil sie sich auch nicht (oder nur sehr schlecht) an andere Gegebenheiten anpassen können.
... oder sie sind deshalb selten, weil sie im Gebiet am Rande ihres Areals wachsen, wo die Wuchsbedingungen für sie nicht mehr optimal sind.
Haben sie in der Natur ihren idealen Standort gefunden, wachsen sie dort eher am Rand, weil sie Konkurrenzdruck* nicht gut standhalten. Da wo ihr idealer Standort an einen anderen grenzt, wandern aber zum einen die anpassungsfähigen Pflanzen über "die Grenze" und können erneuten Konkurrenzdruck aufbauen. Oder ihr Standort verändert sich zu ihrem Nachteil, weil sich die verschiedenen Böden mit der Zeit verbinden. (zB ein magerer Standort wird nährstoffreicher, weil vom angrenzenden Standort Nährstoffe übertragen werden.

Die mit * markierten Punkte sind die beiden Gründe, weshalb die Pflanzen selten sind. Es ist also ihre Natur selten zu sein. Oder wie im nächsten Satz geschrieben "es ist ihre floristische Eigenart" selten zu sein.
Ihre Pflanzung führt in der Regel zu einer Florenverfälschung und mindert die Bedeutung dieser Gehölzarten für die floristische Eigenart bestimmter Naturräume und Landschaften. Sie sollen nicht durch Pflanzungen weiter verbreitet und häufiger werden, was eine „Nivellierung“ des Artenspektrums in den Landschaften und Naturräumen bewirken würde.
Werden seltene Pflanzen häufig gepflanzt, entspricht das nicht der Natur. Eine seltene Art, wird in der Natur nicht häufig gebraucht. Es kann sich keine andere Art entwickelt haben, die auf ein häufiges Vorkommen dieser Pflanze angewiesen ist. Diesen Zustand gibt es in der Natur nicht.
Ich versuche mal ein Beispiel zu geben: Pflanzen wir nun diese seltene Art häufig an, ziehen wir damit unter Umständen eine bestimmte Tierart an, die auf diese Pflanze spezialisiert ist. Weil die vormals seltene Pflanze nun "häufig" ist, wird auch die Tierart häufig. Und schwups - ist die Tierart nicht mehr selten, sondern entwickelt sich zu größeren Beständen, was wiederum andere Arten schädigen kann, weil wir ein menschgemachtes, natürliches Ungleichgewicht hergestellt haben (schnell wird der seltene Käfer dann zum gefürchteten Parasiten o.ä.).

Jetzt wird der letzte Satz aus dem Text von Indy nachvollziehbar:
Vielmehr sollen sie weiterhin selten bleiben und die besondere Standortsituation und floristische Eigenart an ihren Wuchsorten anzeigen. Zu dieser Gruppe gehören zum Beispiel Embergers Felsenbirne (Amelanchier ovalis subsp. embergeri), Felsen-Kirsche (Prunus mahaleb), Pimpernuß (Staphylea pinnata) und Eibe (Taxus baccata).
Hoffe es ist etwas verständlicher. Es geht bei dem Text nicht um selten gewordene Gehölze, sondern um die, die von Natur aus selten sind.

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Re: Bodenübersichtskarte von Deutschland

Beitrag von Gartenphilosophin » Mi 31. Okt 2018, 09:03

Toll erklärt, Annika,

das gilt für den Naturraum, der landschaftlich aufgewertet werden soll.
Für unsere Gärten gilt das nicht, wir haben da einen anderen Ansatz.
Da kann sehr wohl auch Seltenes gepflanzt werden, ist in den meisten Gegenden wahrscheinlich auch selten genug!
LG
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Re: Bodenübersichtskarte von Deutschland

Beitrag von Indy » Mi 31. Okt 2018, 09:55

@Annika , vielen Dank für die ausführliche Erklärung . So kann ich das Nachvollziehen. Der Laie denkt sich halt, wenn es so selten ist, muss man es öfter anpflanzen, damit es nicht ausstirbt oder so.
@Simbienchen der Text ist aus 2015 und wird als aktuelles Dokument für die Pflanzung heimischer Gehölze in Baden-Württemberg veröffentlicht.
Ich muss mir die 75 Seiten mal genau durchschauen, da ist sehr regional beschrieben, was wo heimisch ist.

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