Mäh-Muster zur Abmagerung

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Eifelzwerg
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Mäh-Muster zur Abmagerung

Beitrag von Eifelzwerg » Fr 2. Feb 2018, 10:44

Hallo Ihr Lieben,

ich frage mich gerade, wie ich unsere Wiese in den kommenden Jahren am besten mähen soll.

Das Mäh-Prinzip mit den 3 Bereichen aus Markus Gastls Buch Seite 119f sagt mir zu, allerdings frage ich mich, ob dann das abmagern nicht zu lange dauert, wenn Teile der Wiese nur 1 mal in Jahr gemäht werden. Soweit ich das richtig verstandenhabe ist das Konzept für bereits magere Blumenwiesen gedacht.

Zur Ausgangslage: wir haben eine ehemalige Pferdewiese, dh 5000qm verdichteter, schwerer, stickstoffreicher Boden. Er wurde letztes Jahr nicht mehr beweidet, also nicht mehr gedüngt, und dafür 2 mal vom Bauern gemäht.

Mein Plan war es ab diesem Jahr mit einem Einachsschlepper die Wiese zu mähen,
je nach Zeit und Lust vielleicht mich auch mal ans Sensen per Hand wagen,
aber bei der Fläche wird es hauptsächlich mit einem Balkenmäher zu bewerkstelligen sein.

Die Frage ist nur, ob ich lieber die ganze Fläche 2 mal mähe um möglichst schnell eine Magerwiese zu erhalten,
oder zum Schutz des Wiesenlebens nach dem 3-Bereiche Muster.

Hat schonmal jemand probiert, die Teile 2 und 3, die nur 1 mal gemäht werden, deutlich kleiner zu gestalten. Also nicht alle Teile gleich groß, sondern Teil 1 vielliecht 4/5 der Fläche und Teil 2 und 3 jeweils 1/10 oder so ähnlich?
Liebe Grüße von Laura *hortus*

Ulrike
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Re: Mäh-Muster zur Abmagerung

Beitrag von Ulrike » Sa 3. Feb 2018, 05:58

Vor etlichen Jahren traf ich regelmäßig eine alte Bäuerin mit einer ähnlichen Fläche, totaler Lehmboden, standen früher mal Kühe drauf. Sie mähte von Ende Mai bis Mitte Juli streifenweise mit der Sense, je nach Wetter alle drei oder zehn Tage. Gutes Heu benötigt vier trockene sonnige Tage. So hatte sie im nächsten Winter bestes Heu, für ihre drei oder vier Kälber, die sie noch hatte, bzw. vom Nachbarn stammten.
Die Wiese war sehr artenreich, es blühte und brummte, bestes duftendes Kräuter-Heu. Ende Juli fing sie wieder beim ersten Streifen an, solange das Wetter hielt bis September.
Nach meiner Info, standen auf dieser Wiese aber über mindestens acht Jahre keine Kühe mehr drauf, wurde über diese Zeit also nicht gedüngt. Den Kälber-Mist verwendete die Frau für ihren kleinen Kohl und Kartoffel-Acker.

Ulrike
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Re: Mäh-Muster zur Abmagerung

Beitrag von Ulrike » Sa 3. Feb 2018, 07:01

Warum gab es früher so viele artenreiche Kräuter- Wiesen ?
1. Weil der Viehbestand wesentlich geringer war.
2. Keine sogenannten "Kunstdünger" vorhanden waren.
3. Der Stall-Dung nur für Getreide,Kartoffel, Lein und Rüben-Flächen verwendet wurde.
4. Oftmals waren die Hieu-Wiesen auch gleichzeitig Streuobst-Wiesen, die Obstbäume wurden nicht gedüngt, brauchten für ihre Früchte aber Nahrung aus dem tieferen Boden. Durch die reiche Insekten-Schar brachten die Bäume viel Obst. So waren diese Wiesen allerbeste Biotope, die sich über viele , viele Jahre entwickelten. In den teils sehr alten Obst-Bäumen gab es Nist-Möglichkeiten für die heimischen Vögel. Außenrum waren meist auch Hecken mit Brombeeren, Schlehen, Weißdorn usw.

Solche über Jahrzehnte oder gar über 200 Jahre gewachsenen bunten Wiesen - Gemeinschaften lassen sich nicht innerhalb von zwei Jahren wieder herstellen - das wäre Zwang - die echte Natur lässt sich nicht zwingen, zumindest nicht in kurzer Zeit.

5. Heutzutage kommt viel Stickstoff aus der Luft auf die Böden runter, was wir als einzelne sicherlich nicht verhindern können.

Gemach, Gemach !

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Re: Mäh-Muster zur Abmagerung

Beitrag von Eifelzwerg » So 4. Feb 2018, 10:35

Danke, das hat mich jetzt nochmal motiviert mich direkt zu einem Sensekurs anzumelden :D


Da ich nur halbtags arbeite (lieber wenig Geld und dafür Zeit zum Leben als umgekehrt) liegt es mir vermutlich auch mehr, täglich 1-2 Stunden im Garten zu arbeiten und die Wiese laufend zu mähen anstatt 2-3 Mal im Jahr eine Riesenaktion zu veranstalten um die ganze Fläche aufeinmal zu mähen und zu rechen vor allem.
Liebe Grüße von Laura *hortus*

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Re: Mäh-Muster zur Abmagerung

Beitrag von GmiasObstTierla » Mo 26. Feb 2018, 20:29

Der Artenreichtum ist in erster Linie von Düngung und Schnittzeitpunkt abhängig. Wenn man ohne zusätzliche Düngung unterwegs ist, kommt der klassische Heuschnitt im Juni, ein zweiter später im Jahr und eventuell einmal vor dem Winter Tiere grasen lassen. Heute sind 5-6 mal mähen keine Seltenheit, in den kurzen Abständen kann nur Löwenzahn und Hahnenfuß Samen bilden und der Rest der Kräuterwelt verschwindet.

Ich empfehle hier mal den Vortrag von Johannes Burri auf den Naturgartentagen vor gut einer Woche. Die gibt es als Download auf http://2017ip.naturgartentage.de/naturg ... vortraege/

Kurzzusammenfassung für Fettwiesen:
- Anfang Juni drei warme trockene Tage raussuchen für
- Mahd
- Heu trocknen lassen und wenden, dann fällt mehr Samen aus als bei einer typischen Neuansaat
- Heu von der Fläche nehmen
- Zweite Mahd später im Jahr
- Evtl. dritte Mahd

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Re: Mäh-Muster zur Abmagerung

Beitrag von Brunnladesch » Mi 28. Feb 2018, 14:56

Zur Förderung der Artenvielfalt und dem Schutz von Insekten muss man sich ein wenig angucken, was man hat und es empfiehlt sich denke ich, auch zu gucken, was gerade blüht, denn wenn viel blüht, wäre Mähen ungünstig. Erfahrungsgemäß ist ja im Juni echt ganz viel schon durch. So ab der Sommersonnenwende sind viele Wildblumen echt durch.

Mir fallen da Mohn, Kornblume, Kornrade spontan ein, aber es gibt auch viele andere Einjährige ein, die dann einfach verblüht sind. Die Mahd mit der Sense schont die Tierwelt natürlich am ehesten, ist aber nicht für jeden gleichermaßen umsetzbar. Zeitlich, kräftetechnisch und was weiß ich. Es gibt einige Gründe, warum es eben nicht jeder kann oder schafft.

Es kann sich lohnen, größere Flächen nicht auf einmal zu mähen sondern zeitlich versetzt. Dann können Tiere in den anderen Arealen Zuflucht suchen. Man könnte zum Beispiel eine Wiese auf 3x oder 4x mähen. Eine Woche das Viereck, dann das nächste... wie so ein Uhrwerk. Oder man guckt eben, was gerade blüht. Je feiner das Gerät sich beeinflussen lässt, weil man zum Beispiel mit der Sense mäht und nicht mit dem Balkenmäher, kann man auch Inseln von gerade doch noch blühenden Pflanzen dazwischen stehen lassen und diese dann später wegmähen, wenn sie verblüht sind.

Aber dafür muss man sich natürlich angucken, was da ist. Pauschal lässt sich das schwer sagen. Und ja, bei der klassichen Art Heu zu machen fällt noch mal einiges an Samen aus und viel Energie wird in Form des Schnittguts danach von der Wiese genommen. Nun kommt es eben darauf an, was da bereits blüht und ich persönlich finde, dass man einiges differenziert sehen darf.

Rasen < Fettwiese < Magerwiese. Jede blühte zählt.

Diese hier erwähnte Wiese wird wohl etwas brauchen bis sie magerer wird, wenn man es nur durch mähen macht, aber sie wird magerer werden, wenn man sie nicht düngt und wahrscheinlich wird man von Jahr zu Jahr mehr Blumen sehen. Zumindest merke ich das bei meiner kleinen Wiese im Garten im Vergleich zwischen 2015 und 2017 schon und bin gespannt auf 2018.
Natascha K.

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Re: Mäh-Muster zur Abmagerung

Beitrag von Eifelzwerg » Mi 28. Feb 2018, 15:18

Ich danke euch!

Ich werde mir das sensen zeigen lassen und werde dann damit starten und sehen ob es für mich realisierbar ist.

Auf blühendes zu achten und es ggf stehen zu lassen ist eine gute Idee.

Dass die beiden Mitgestalter der Wiese, meine Hunde, auf die wiese pinkeln und somit düngen, kann ich nicht verhindern. Dafür graben sie laufend die Mäusegänge auf und schaffen somit immer wieder stellen mit offenem Boden, wo mögliche Samen nicht im Gras sondern auf der Erde landen. Ich hoffe das ist von Vorteil :)
Liebe Grüße von Laura *hortus*

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Re: Mäh-Muster zur Abmagerung

Beitrag von Brunnladesch » Mi 28. Feb 2018, 16:02

Hundepipi düngt bei weitem nicht so sehr wie ein voller Gülletank wie er hier manchmal auf die Wiesen gefahren wird. :)
Natascha K.

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